Mittwoch, 31. Juli 2013

Der Aufbruch zum Sommerfest - Kapitel III


Was bisher geschah, kann im Kapitel I und Kapitel II nachgelesen werden!


Galaktische Rettung?

Währenddessen auf einem Acker bei Alsfeld.
“Hier muss es sein. Wo sind nur alle?”
Detlef war gerade angekommen und suchte verzweifelt nach dem Festgelände.
“Haaaaaalloooo! Ist hier jemand? Ben, Jo! Wo seid ihr denn alle? Aber das muss doch hier sein. Das ist doch genau der Platz den Ben beschrieben hat. Wo sind die bloß? Bin ich zu früh oder fällt es doch aus. Mir sagt ja keiner was. Selbst im Forum redet niemand mit mir.”
Er ließ den Kopf hängen und wollte gerade wieder gehen, als am anderen Ende des Kartoffelackers zwei weitere Personen auftauchten und langsam näher kamen. Als sie nah genug heran waren, erkannte er eine Frau und einen Mann.
“Hallo Johanne. Gott sei Dank. Ich dachte schon es kommt keiner mehr. Wer ist denn der Herr an deiner Seite?”
“Hallo Detlef. Schön dich zu sehen. Das ist der Frank. Ich habe ihn mitgebracht zur Unterhaltung. Er singt so schöne Lieder. Weißt du die gehen so nahe. Wundervoll.”
Sie fing an zu schwärmen und Frank lächelte beschämt.
“Frank sing doch mal was für uns!”, forderte Johanne ihn auf. Dieser nahm sofort Haltung an, nahm seine Gitarre und fing an zu singen: “...mit Rudolf Hess ist uns ein Held geboren...”
Erst hörten sie ihm kurz zu, unterhielten sich dann aber weiter.
“Meinst du nicht, dass der irgendwie rechts ist?”, fragte Detlef und Johanne antwortete: “Neiiiiin, denkst du? Neeee, der singt doch nur schöne Lieder.”
“Ja aber Hess war doch Nazi.”
“Keine Ahnung. Der singt doch, dass der geboren wurde. Vielleicht ist das ja auch sein Enkel, oder so. Heißen bestimmt nur zufällig gleich. Manchmal singt er auch von einem Adolf. Das wird sicher sein Opa sein. Oder kennst du vielleicht einen Adolf der Nazi war?”
“Ähm...” Detlef war sich nicht sicher.
“Ist ja auch egal.”, meinte Johanne schließlich. “Was soll das immer mit rechts und links, vorne und hinten, oben und unten. Wir lassen uns doch nicht in Schubladen stecken!”
“Ja, wenn du das so siehst.”

Zur gleichen Zeit fuhr eine kleine Gruppe von Motorrädern mit lauten Knattern über die die deutsche Autobahn. Eigentlich nichts ungewöhnliches, sah man aber genauer hin, erkannte man auf den Jacken der Rocker vor dem Wort “Angel” ein Sück Panzertape, auf dem mit Tipp-Ex “arch” geschrieben stand. Stefan und Medi waren als Sozius und Sozia mit von der Partie und Medi rief ständig lautstark: “Juhu. Alsfeld, wir kommen!” Sie winkte dabei so stark mit ihren Armen, dass der Fahrer Mühe hatte sein Gefährt unter Kontrolle zu behalten. Stefan hingegen war ein ruhiger Beifahrer. Er klammerte sich fest an seinen Vordermann und machte seine Atemübungen.

Kaum hatte Jo das Telefongespräch mit dem obersten königlichen Souverän beendet und voller Stolz seinen Freunden Erfolg gemeldet, ertönte ein leises Grummeln, welches immer lauter wurde. Ein Pfeifen und Donnern gesellte sich dazu. Eine riesige Flugscheibe flog über den Köpfen der Vier hinweg und setzte unsanft auf der Wiese genau vor unseren Helden auf.
“Jo, hol die Kamera raus. Wir schreiben Geschichte. Jetzt können wir es diesen ganzen Skeptikern zeigen.”, Micha war begeistert und hüpfte wie wild umher.
“Mist! Die liegt im Auto.”
“Mensch Jo! Was bist denn du für ein Journalist. Wir als Aufklärer, als die, die die Wahrheit kennen und furchtlos weiterverbreiten, müssen immer gerüstet sein. Die Kamera muss eins mit dir sein, sie ist ein Teil von dir. Die kannst du doch nicht so einfach liegen lassen. Hast du vielleicht eine Ahnung, wie viele Klicks uns das auf YouTube gebracht hätte!?”, schimpfte Micha und Jo fragte kurz: “Na und wo ist denn dann deine Kamera?”
“Ähmm... das tut hier gar nichts zur Sache. Du wolltest das Ganze journalistisch begleiten! Ich hab schon die Beschlüsse beigesteuert. Wird Zeit, dass du auch mal was dazu beiträgst.”
“Nu streitet euch doch nicht!”, forderte Jonathan der Barde die Zwei auf. “Was sollen denn die Besucher von uns denken? Lasst Sie uns begrüßen!”
Er holte aus seinem Rucksack die Klappukulele raus und fing an zu singen: “Nanana”
Ben und Jo stimmten mit ein und winkten mit kleinen Papierfähnchen. Die waren von der letzten WM noch übrig und wurden in akribischer Handarbeit vom Stil gerissen und mit Klebeband verkehrt herum wieder angeklebt. Teilweise lösten sie sich aber bereits wieder. Micha stand daneben, schüttelte wieder nur mit dem Kopf und fragte sich: “Warum treffen sich die Außerirdischen immer nur mit den Idioten?”
Er sah es als besonderen Glücksfall an, dass er nunmehr dabei sein konnte und ergriff die Initiative. Der singende und winkende Begrüßungstrupp stimmte gerade die zweite Strophe an. Micha trat nach vorn, hob die Hand, spreizte die Finger zum vulkanischen Gruß auseinander und rief: “Willkommen, meine galaktischen Freunde. Ich bin der Michael, außenpolitischer Sprecher von Gold Rot Schwarz, dem Deutschlandprojekt und vertrete die Menschheit. Solltet ihr friedselig sein, nehme ich gern die vielen Gastgeschenke als Vertreter der Erde an. Solltet ihr feindselig sein und Menschen zum Sezieren suchen, dann habe ich da drei Gastgeschenke für euch.” Dabei zeigte er hinter sich auf das noch immer singende Trio.
Plötzlich öffnete sich eine kleine Luke. Jo, Jonathan der Barde und Ben verstummten. Alle blickten gespannt das UFO an. Mit lautem Zischen vernebelte weißer Rauch den Blick ins Innere. Ein helles Licht blendete die Vier. Ein schattenhaftes Wesen erschien in der Öffnung und kam langsam näher.
“Ich bin Lord Stultissimus, ehemaliger oberster Kabalenjäger und Sprecher des sauberen Stammtisches Ganymed. Seid gegrüßt, ihr merkwürdigen Gestalten.”
“Euch schickt sicher der Schöpfer, uns zu helfen.” Jo ergriff das Wort. “Der Peter ist echt gut. Der hat den lieben Gott sicher in seiner Kurzwahlliste.”
“Welscher Pet’r?”, lallte es plötzlich hinter Stultissimus und Lord Ebriosus schwankte mit einer Flasche 'IW Hlq aus dem Raumschiff. “Etwa Pet’r der Große? Dann saaahg ihm, er schuldet mir noch ne Revanche beim Wodka-Wetttrinken. Isch ...hicks... haaab jetzt viel strainiert.”
“Vielleicht solltest du dein Training in deine Freizeit verlegen und nicht gerade, wenn du im Einsatz unsere Flugscheibe steuerst.”, ermahnte ihn Stultissimus.
“Was kann ich dafür, ...hicks... dass die nicht mehr ordentlich die Flugbahnmarkierungen sprühen. Siiihssst alles ...hicks... nur blau.”
Früher war es einfacher für die GFdL ihre Scheiben auf der Erde zu fliegen. Die Flugbahnmarkierungen wurden regelmäßig aufgefrischt. Doch seit ein gewisser Dominik ständig Beschwerde beim galaktischen  hohen Riesenrad einlegte und sämtliche untergeordneten Behörden der galaktischen Verwaltung zuspamt, wurde diese, der Sicherheit dienenden Maßnahme, erheblich zurückgefahren. Immer wenn gerade wieder eine Markierung erneuert wird, beantragt Dominik eine neue einstweilige Verfügung und es darf bis zur Entscheidung des Rates nicht gesprüht werden. Die Erde wird seitdem wegen der Unfallgefahr von den meisten galaktischen Touristen gemieden, so dass Transmedialreisen CoKGdL arg in Bedrängnis geriet und aufgrund des Umsatzeinbruchs zu drastischen Sparmaßnahmen greifen musste. So wurde zum Beispiel im letzten Winter das Licht bis auf die Notbeleuchtung abgeschaltet. Das gab es das letzte Mal vor 43 Jahren.
“Aber ihr seid schon hier, um uns zu retten?”, fragte Jo nochmals vorsichtig an.
“Wir jemanden retten?”, eine weibliche Stimme ertönte aus dem inneren der Scheibe und kurze Zeit später erschien ein sehr gut ausgestattetes weibliches Wesen. Mit ihren schier endlos wirkenden Beinen, einer stattlichen Oberweite und in einer Uniform, die - wohl aus Sparzwang - nur das Nötigste verdeckte, trat sie vor die vier Erdlinge.
“Wir sind schon froh, wenn wir uns selber über den Tag retten. Oh Entschuldigung, ich habe mich ja noch gar nicht vorgestellt. Lady Nada mein Name. Stellvertretende Stammtischsprecherin, galaktische Frauenbeauftragte dL und Kindermädchen für die beiden Hohlerden hier.”
Ben fiel die Kinnlade herunter und ein großer Sabbertropfen suchte sich seinen Weg nach unten. Er ging auf Nada zu, nahm ihre Hand, küsste diese und sprach: “Benjamin. Es ist mir eine Ehre. Du darfst Ben zu mir sagen!”
“Im Ernst.” Nada verzog ein wenig das Gesicht.
“Ich handle mit Gold. Hab jede Menge davon. Darf ich dir diese Goldkette schenken.”
Er reichte ihr ein Stück Papier und aufgrund ihres verwirrten Blickes erklärte er weiter: “Physisch lagert die Kette in der Schweiz im Gotthardmassiv, aber mit dem Zertifikat ist sie nun dein. Naja, Glied für Glied. Jeden Monat kommt ein neues hinzu. Ein Sparkette eben.”
Er streckte ihr das Zertifikat zu, doch Nada wiegelte ab.
“Du willst mich mit Gold beeindrucken. Daraus machen wir bei uns Blei. Für alles Andere ist das nicht zu gebrauchen. Mich beeindruckt man mit Spiritualität, mit Magie...”
“Magie? Oh das kann ich. In mir steckt ein wahrer Zauberer.”, sagte Ben stolz und kramte in seiner Taschen.
“Ahso ein Zsauberer ...hicks... st’ckt in dir. Hascht du Merlin zu Frühstück gfressen?”, fragte Ebriosus ihn. “Jetzt wissen wir ...hicks... wenigst’ns wo der g’blieben is.”
Ben schaute Ebriosus kurz an, wendete sich dann aber wieder an Nada, hielt einen Stapel Karten in der Hand und sagte: “Zieh irgendeine Karte! Aber nicht verraten welche!”
Sie tat aber nicht dergleichen und schenkte Ben nicht weiter Beachtung, sondern drehte sich zu Stultissimus und sagte: “Übrigens hat Mr. Snowden die Bruchlandung ganz gut überstanden. Wenigstens etwas Positives.”
“Snowden? Edward Snowden? Hier?”, Micha freute sich. “Unsere galaktischen Brüder und Schwestern retten ihn vor den Schergen der Vereinigten Staaten und gewähren ihm Asyl.”
“Asyl? Retten?”, Stultissimus schüttelte mit dem Kopf. “Wir bringen ihn nach Ganymed zum GSA . Er soll verhört werden.”
“Aber er ist ein Held. Er hat die Praktiken des totalitären Überwachungsstaates offengelegt.” Jo verstand die Welt nicht mehr.
“Na und? Meinst du, dass interessiert uns. Unser oberster Boss ist Gott. Der sieht alles, der hört alles, der weiß alles. Wenn einer für absolute Überwachung steht, dann doch wohl er oder?”
“Ja aber, die haben da auch alles aufgezeichnet und gespeichert. Unsere ganzen Emails und Telefonate. All das, was wir bei Facebook eingestellt haben, aber keiner wissen soll.”, sagte Jo und auch Ben war entrüstet. “Während ich viel Geld für die ganzen telefonischen Wurzelchakra-Öffnungen ausgeben musste, konnten die dort kostenlos mithören. Ich fordere Gerechtigkeit und Schadensersatz.”
Stultissimus, Ebriosus und Nada zuckten nur mit den Schultern und Nada meinte darauf: “Wenn ihr so ein Problem damit habt, warum versucht ihr dann ständig in der Akasha-Chronik zu lesen? Dieser gigantische Datenspeicher enthält doch wohl alles was war, was ist und was sein wird. Dagegen ist Prism ein Bilderbuch für Babys. Ich habe aber noch keinen von euch fordern hören ‘Stopp Akasha’.”
“Und warum wollt ihr ihn dann verhören?”, fragte Jo.
“Der Boss will wissen, was Snowden bzw. Prism über ihn weiß.”, antwortete Stultissimus.
“Ja aber...”, meldete sich, der bis dahin schweigende, Jonathan der Barde zu Wort. “...aber wenn doch Gott alles weiß, dann...”
“Sag mal mein Junge...”, Nada wurde leicht zornig. “Kommst du mir etwa mit Logik. Was bist du denn für ein esoterischer Freigeist?”
“Entschuldigung. Hab nicht nachgedacht.”
“Nachdenken? Jetzt will er auch noch nachdenken. Wer ist dieser Mensch eigentlich?”
Als Jo, Ben und Micha die wütende Nada so sahen, machten sie einen Schritt zur Seite und entfernten sich schnell von Jonathan den Barden. Jo sprach: “Keine Ahnung, wer das ist.”
Und Micha fuhr fort: “Eigentlich kennen wir den gar nicht. Er stand plötzlich bei uns auf der Bühne und hat Nanana gesungen.”
Ben stimmte dem zu. “Ja genau. Er gehört garantiert nicht zu uns. Wir denken nie nach, sondern plappern einfach nur nach.”
Jonathan dem Barden rutschte das erste Mal in seinem Leben das breite Grinsen aus dem Gesicht.
“Nu lass ihn doch...hicks... der singt doch so cheen.” Ebriosus umarmte Jonathan den Barden, “Bischt mei Guter...hicks...” und fing an zu singen “Ein bischen Liebe, ein bischen Lischt, doch ist’s zu dunkel, isch find mich nisch.”
Jonathan der Barde war ganz froh darüber, dass Ebriosus ihn vor der wildgewordenen Nada beschützte und beide standen singend in tiefer Umarmung da.

“Könnt ihr uns nach Alsfeld bringen? Das ist doch sicher nur ein kleiner Hüpfer mit der Flugscheibe.”, fragte Jo.
“Tut mir leid. Wir haben einen Auftrag zu erfüllen und keine Zeit dafür. Wir müssen noch heute Mr. Snowden nach Ganymed bringen.”, antwortete Stultissimus.
“Tja, das wird wohl nix werden.”, meinte daraufhin Nada. “Der Skalarantrieb ist im Arsch. Wir können nur noch mit Mikrowelle fliegen.”
“Damit kommen wir ja nicht mal bis zu den Mondnazis. Sonst hätten wir zu FTG (Flugscheiben-Teile-Göring) fliegen können.” Stultissimus überlegte. “Seit die Vril-Gesellschaft nicht mehr existiert und Neuschwabenland zugefroren ist, gibt es keine Flugscheiben-Meisterwerkstatt auf der Erde mehr. Das ist jetzt ein irgendwie blöd.”
“Könnt ihr nicht um Hilfe channeln?“, fragte Micha.
“Neiiin!”, antwortete Nada erschrocken und Stultissimus erklärte weiter: “Wir laufen auf Bewährung. Wenn wir diesen Auftrag wieder versauen, dann werden wir in die Minen auf Rura Penthe geschickt.”
“Oh, das ist nicht schön. Bergbau ist körperlich sehr anstrengend.” Micha hatte Mitleid.
“Nein. Da wird schon lange kein Bergbau mehr betrieben. Anstrengend ist es trotzdem. Da ist die Zentrale von “Wünsch-Dir-Was-Vom-Universum”. Da musst du ständig die vielen Bitten der Esoteriker schreddern. Frag nicht, was da so täglich ankommt. Da will ich echt nicht hin. Wir müssen hier unbedingt jemanden finden, der sich mit Skalarantrieben auskennt. Doch wer sollte das schon sein? Hier auf der Erde?”

Fortsetzung folgt... und zwar genau hier!

Kommentare:

  1. "Wir müssen hier unbedingt jemanden finden, der sich mit Skalarantrieben auskennt. Doch wer sollte das schon sein? Hier auf der Erde?"

    Tjoo, wer könnte das wohl sein...

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